Früher Erdnusskonsum bei Säuglingen mit einem erhöhten Risiko für Erdnuss-Allergie

März 2015

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Erdnüsse sind als Auslöser einer Typ I Allergie bekannt, die sich bereits nach der Einnahme geringer Mengen in Hautreaktionen, Verdauungsbeschwerden, Atemnot und Anaphylaxie manifestieren kann. Die Prävalenz der Erdnussallergie bei Kindern in westlichen Ländern hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt und stellt zur Zeit die häufigste Ursache für das Auftreten einer Anaphylaxie und von Todesfällen als Folge einer Nahrungsmittelallergie in den USA dar[1]. In dieser Studie wird nun untersucht, welche Ernährungsstrategie zur Vorbeugung der Entwicklung einer Allergie bei Säuglingen mit einem hohen Risiko erfolgversprechend ist.

Zusammenfassung der Studie

An dieser Studie nahmen 640 Säuglinge im Alter zwischen 4 und 11 Monaten zu Beginn der Studie teil, die bereits Symptome eines entweder eines schwerwiegenden atopischen Ekzems und/oder eine Allergie gegen Hühnerei aufwiesen. Die Hälfte dieser Kohorte sollte Erdnüsse konsequent vermeiden; während die andere Hälfte regelmäßig mindestens dreimal in der Woche Lebensmittel wie etwa Erdnussmus in definierter Menge in den Brei bekam. Zusätzlich wurde mittels PRICK-Test auf eine bereits bestehende Sensibilisierung gegen Erdnuss untersucht.

Unter den 530 Kindern mit negativem PRICK-Test gegen Erdnuss betrug die Prävalenz der Erdnuss-Allergie im Alter von 60 Monaten 13,7% in der Gruppe der Erdnuss-Karenz gegenüber 1,9% in der Gruppe mit Erdnusskonsum. Bei den Kindern mit bereits positiven PRICK-Test betrug die Prävalenz der Erdnuss-Allergie 35,3% bei jenen Teilnehmern, die Erdnüsse vermieden hatten versus 10,6% in der Kohorte mit Erdnusskonsum. Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen im Hinblick auf die Inzidenz von schwerwiegenden Reaktionen.

Die Autoren stellen fest, dass die frühzeitige Einführung von Erdnüssen das Risiko des Auftretens einer Erdnussallergie bei hochgradig gefährdeten Kindern signifikant reduzieren kann und dazu geeignet ist, die Immunantwort auf Erdnüsse zu modifizieren.

Kommentar

Die Allergie gegen Erdnuss stellt eine potentiell lebensbedrohliche IgE mediierte allergische Erkrankung mit einer Prävalenz von 1,4 bis 3,0% dar [2]. Dies ist ein beträchtliches gesundheitliches Problem, das mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen einhergeht. Derzeit ist keine spezifische Immuntherapie verfügbar[3], die Therapieempfehlung musste sich auf eine Erdnuss-Karenz beschränken[4]. Die bisherige Empfehlung der AAP aus dem Jahr 2000 zur Prophylaxe war es, Erdnüsse bis zu einem Alter von 3 Jahren bei Risikokindern zu vermeiden[5].

Nun konnte in dieser prospektiven, randomisierten Studie gezeigt werden, dass die frühe Einführung von Erdnuss in die Ernährung das Risiko der Entwicklung einer späteren Erdnussallergie um etwa 70 bis 80% verringern kann.

In einem Kommentar in derselben Ausgabe des NEJM [6] wird zwar darauf hingewiesen, dass noch einige Fragen offen sind. Angesichts der überzeugenden Ergebnisse dieser Studie werden jedoch neue Leitlinien zu erwarten sein. Bis dahin wird in diesem Kommentar empfohlen, dass jedes Kind zwischen 4 Monaten und 8 Monaten, dass ein erhöhtes Risiko aufweist, einen PRICK Test auf Erdnuss erhalten sollte. Ist dieser negativ, so wird eine Diät, die 2 g Erdnussprotein drei Mal pro Woche enthält für mindestens 3 Jahre empfohlen.

Das stellt zweifellos einen Paradigmenwechsel dar, der auch Auswirkungen auf andere Formen der Nahrungsmittelallergie haben könnte.

 

1.       Sampson, H.A., Clinical practice. Peanut allergy. N Engl J Med, 2002. 346(17): p. 1294-9.

2.       Nwaru, B.I., et al., The epidemiology of food allergy in Europe: a systematic review and meta-analysis. Allergy. 69(1): p. 62-75.

3.       Burks, A.W., et al., Sublingual immunotherapy for peanut allergy: Long-term follow-up of a randomized multicenter trial. J Allergy Clin Immunol.

4.       Sheikh, S.Z. and A.W. Burks, Recent advances in the diagnosis and therapy of peanut allergy. Expert Rev Clin Immunol. 9(6): p. 551-60.

5.       American Academy of Pediatrics. Committee on Nutrition. Hypoallergenic infant formulas. Pediatrics, 2000. 106(2 Pt 1): p. 346-9.

6.       Gruchalla, R.S. and H.A. Sampson, Preventing peanut allergy through early consumption--ready for prime time? N Engl J Med. 372(9): p. 875-7.